Cannstatter Wasen – Es muss nicht immer München sein

Cannstatter Wasen – Es muss nicht immer München sein


Gleich zweimal im Jahr gibt es in Stuttgart die Gelegenheit, sein Dirndl auf einem Volksfest zu tragen – auf dem Stuttgarter Frühlingsfest von Mitte April bis Anfang Mai und auf dem Cannstatter Volksfest von Ende September bis Anfang Oktober. Im Volksmund werden die beiden Stuttgarter Volksfeste Cannstatter Wasen oder kurz „Wasen“ genannt. Sie finden beide im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt auf einer riesigen Freifläche statt, wo sonst z.B. auch Musikfestivals stattfinden. Der „kleine Wasen“ im Frühjahr findet auf kleinerer Fläche statt und ist aufgrund des Wetterrisikos auf drei Wochen ausgedehnt. Meistens meint es Petrus gut mit der Sonne, sodass schon auf dem kleinen Wasen Mini-Dirndl und kurze Lederhose aus dem Kleiderschrank geholt werden können. Im Herbst geht es dann auf dem „richtigen“ Wasen noch einmal zwei Wochen richtig zur Sache. Ein ziemlicher Vorteil gegenüber dem Münchner Oktoberfest, das nur einmal im Jahr seine Pforten öffnet – in Baden-Württemberg kann man gleich zweimal im Jahr Spaß haben!

Cannstatter Wasen – Es muss nicht immer München sein

Cannstatter Wasen – Es muss nicht immer München sein

Pink ist in!

Der Wasen steht dem bayerischen Oktoberfest in Nichts nach – auch hier gibt es Bier, Festzelte, Essen und Karussell-Spaß. Die Präsentation von den neuesten, aufregendsten Fahr-Attraktionen steht hier besonders im Fokus, doch auch hier kann es nur einen Look geben, wenn sich Weiblein und Männlein zum Wasen aufmachen: Dirndl und Lederhose. Besonders angesagt in dieser Saison sind grün-blaue Dirndl mit verspielt gestickter Schürze und für ihn kurze braune Lederhosen mit rot-weiß-kariertem Hemd. Die Devise lautet farbenfroh – da darf man auch mal von den weniger kraftvollen Farben der klassischen Tracht abweichen. Und wenn im Bierzelt in Gedanken die Frau mit dem schönsten Dekolleté – und natürlich mit dem schönsten Dirndl gekürt wird – liegen in der Gunst der Herren Exemplare in Pink und Rosa ganz weit vorne.

Ein Volksfest für Leib und Seele

Auf dem Wasen kann man viel erleben. Zuallererst sollte man eine große Runde drehen, um sich einen Überblick zu verschaffen, was es auf dem Oktoberfest-ähnlichen Volksfest so alles gibt. Für das leibliche Wohl ist in jedem Fall gesorgt. Zwar gibt es keine Weißwurst – aber neben Schupfnudeln mit Sauerkraut und Speck kann man auf dem Wasen natürlich auch Schwäbische Originale wie Spätzle oder Magenbrot probieren. Aber Achtung! Besser nicht im Stehen und Gehen essen, sonst bekleckert man noch sein Dirndl oder seine Lederhose. Die Tracht soll schließlich strahlen, bis man zum Schluss im Festzelt landet. … Dazu aber später mehr! Zum Nachtisch gibt es allerlei bunte Süßigkeiten: Ob pinke Zuckerwatte, rote Liebesäpfel, schokobraune Salmi-Lollys oder Lebkuchen-Herzen mit romantischer Aufschrift – alles muss sein!

Im Breakdancer ist der Spaß vorprogrammiert!

 

Wenn man das ganze Essen einigermaßen verdaut hat, muss man unbedingt eines der vielen Fahrgeschäfte ausprobieren. Der Karussell-Spaß ist ein echtes Markenzeichen des Wasens. Für diejenigen, die nicht auf die große Action aus sind, ist das Riesenrad sicherlich die beste Wahl. Für die anderen, wagemutigeren bleiben die Wildwasserbahn, die Geisterbahn oder gar der Breakdancer. Im Breakdancer wird man in solch einer Geschwindigkeit herumgeschleudert und durchgerüttelt, dass man sich doch vorher überlegen sollte, ob man mit einem Mini-Dirndl in das Fahrgeschäft einsteigt. Schließlich will man ja nicht ZU viel Haut zeigen…

Im Festzelt geht’s erst richtig los

Wenn man den Breakdancer überstanden hat und vom Wirbeln die Endorphine so richtig freigesetzt wurden, ist auch die erst Maß fällig. Die schmeckt natürlich in einem Festzelt am besten – zum Beispiel im „Schwabenbräu“-Zelt. Hat man es sich dort erst einmal gemütlich gemacht, kommt man so schnell auch nicht wieder heraus. Auch, weil das Trachten-Outfit hier erst so richtig zur Schau gestellt werden kann – schließlich gilt auch hier die Devise: sehen und gesehen werden. Nach der zweiten, spätestens der dritten Maß tanzt man auch auf den Bänken und Tischen. Jetzt können die Komplimente auch mal direkter geäußert werden – passend zu Songs wie „Schatzi, schenk’ mir ein Foto!“ oder „Komm’, hol’ das Lasso ‘raus! Wir spielen Cowboy und Indianer!“. Dann geht die Party erst richtig los!

Der Wasen – kein Vergleich zum Oktoberfest?

Wenn die Beine müde getanzt sind und die letzte Maß geleert, neigt sich gegen Mitternacht auch die wildeste Party dem Ende zu. Weiblein und Männlein werden freundlich aber bestimmt aus dem Festzelt nach Hause geschickt. Kaputt aber zufrieden lassen die Dirndl- und Lederhosenträger ihren Tag auf dem Cannstatter Wasen Revue passieren. Sie werden noch lange an das herrliche Erlebnis in Stuttgart zurückdenken. Und wenn Ihnen noch einmal jemand erzählt, das doch nichts über das Münchner Oktoberfest geht, können Sie ihm auf gut Schwäbisch antworten: „Am Arsch hängt d’r Bolle!“ – was so viel bedeutet wie „Du spinnst!“.

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